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MORGEN

Hippie Trim (D) / Chai Khat [D]

AUSVERKAUFT (Keine Abendkasse mehr!)

Es gibt sie noch. Die Bands, die befreit von Erwartungen, seien es Genres oder Erfolg, aufspielen, sie selbst sind und bei denen man das Gefühl hat, etwas Eigenständiges in den Händen zu halten. HIPPIE TRIM eifern nicht einem bestimmten Ideal oder Vorbild nach, indem sie versuchen möglichst genau wie jemand anderes zu klingen oder auszusehen. Die Band bewahrt sich die Freiheit, das zu tun was ihr gefällt und ist so zu jedem Zeitpunkt wiedererkennbar, obwohl im Output Einflüsse, Kreativität und Wahnsinn immer wieder verschwimmen. Ist es denn ok, HIPPIE TRIM irgendwo einordnen zu wollen? Na klar, tu was Du willst – genau darum geht es! Du willst bassspielend auf einem Pferd sitzen (siehe den Clip zu „Supersonic“)? Tu es! Du willst jetzt ein gratis Tattoo und nicht immer nur an die Konsequenzen denken? Dann komm zum ersten Gathering von HIPPIE TRIM!

HIPPIE TRIM die verstreut im Rhein- und Ruhrgebiet ansässig sind, möchten lieber als Boyband bezeichnet werden, als mit zu vielen genretypischen Umschreibungen Vorurteile gegenüber ihrer Musik zu schüren. Die Band hat trotzdem eine Beschreibung parat, allerdings fernab von Genres: „Viele flanger- und phaser-verträumte Passagen gepaart mit knackigen Riffs, feurigen Leads und einer ordentlichen Prise Melancholie. Es wird gesungen und geschrien und über allem schwebt eine melancholische Grundstimmung.“ Selbstverständlich sind im Sound Hardcore, (Dream-) Pop, Shoegaze und Punk erkennbar, trotzdem oder gerade deswegen wird beim Hören unvermittelt klar, dass nur eine Schublade dieser Band nicht genügt. Einflüsse, Wegbereiter oder Vorbilder aus Deutschland sucht man in Bezug auf HIPPIE TRIM aber vergeblich, allerdings ist es durchaus legitim Bands wie TITLE FIGHT, BALANCE AND COMPOSURE, DRUG CHURCH, THE STORY SO FAR, TROPHY EYES, SUCH GOLD, FOUR YEAR STRONG oder sogar BLINK-182 als Einflüsse zu nennen.

 

Ein Freund, er muss damals Ende zwanzig, Anfang dreißig gewesen sein, wurde einst am Ende seiner Ausbildungszeit am Wissenschaftszentrum in Berlin von einem sogenannten Headhunter aufgesucht, der ihn einen Job in Frankfurt bei einem renommierten Wirtschaftsunternehmen anbot. Der Mann legte allerlei Argumente dar, die für ein Engagement sprachen, und schaute dann erwartungsvoll auf meinen Freund m. Der nickte und sagte: „Bringen Sie mich mal zum Lachen.“ der ansonsten sehr eloquente Mann vom Wirtschaftsunternehmen verstand nicht und der Anwerbungsversuch war damit, genau wie das Gespräch, beendet.

Nicht nur in der kalten Welt der harten Moneten, der Wirt- und Wissenschaft ist es bisweilen von Vorteil, wenn man einen gesunden Humor an den Tag legt. Wenn einem also eine Band an einem kalten, abweisenden Dienstag bereits mit dem Albumtitel ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, und das auch noch auf eine charmante Art und Weise, weiß an, dass man es hier mit Typen zu tun hat, die wissen, wie der Hase zu laufen hat. „Hail Satin“ - ich sehe es schon auf meinem T-Shirt, bevor dafür überhaupt die Baumwolle gepflückt wurde.

Würde der Regisseur John Hughes noch leben, und wäre dies die Blütezeit seines Schaffens, dürften wir davon ausgehen, dass er Chai Khat als Hauptzulieferer von Musik für seine neuesten Filme, die Nachfolger der Klassiker „Pretty in Pink“, „Ferris Bueller‘s Day Off“, oder „The Breakfast Club“ auserwählen würde. Und Bands wie Psychedelic Furs, OMD, New Order, die frühen Simple Minds oder Big Audio Dynamite könnten stolz auf diese nächste Generation verweisen, die heutzutage längst die Enkel-Generation ist.

Doch obwohl Chai Khat, dieses sympathische Quartett aus dem Ruhrgebiet und Berlin, die nicht eben einfache Aufgabe gemeistert hat, die besten musikalischen Momente der 80er-Jahre zu destillieren, sind die alles andere als pure Nostalgie. Im Gegenteil. Songs wie „Ferro“, „Ghosts in void“ oder „Flowers“ wohnen in der gleichen Gegend wie The National, M83 oder Interpol.

Die 2018 von der Band für einen Livemitschnitt gewählte Location Vollgutlager in Berlin sagt es womöglich mit ihrem Ambiente am besten, wie Chai Khat klingen: Kacheln - Neonröhren- Industrie - melancholische Leere - weiß auf weiß - ein geheimnisvoller Ort, an dem alles passieren kann. Genau wie bei Chai Khat.

Und jetzt alle: „Hail Satin“!

 

Einlass: 20h; Beginn: 21.30h, AUSVERKAUFT (Keine Abendkasse mehr!)Eintritt: 8€

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